STIRBT EUROPA AUS?
Am 22. Salzburg Europe Summit diskutieren Expertinnen & Experten über die Herausforderungen des demographischen Wandels in Europa.

Aktuell wird in den Medien auf Grund von Studien intensiv über den enormen Geburtenrückgang diskutiert. Welche Auswirkungen diese Entwicklung weltweit, europaweit und auf Österreich hat, wird von anerkannten Expertinnen und Experten beim 22. Salzburg Europe Summit am Sonntag, 27. September 2026 um 14.30 Uhr unter dem spannenden Titel „Stirbt Europa aus?“ diskutiert.
Der Geburtenrückgang zählt derzeit zu den meistdiskutierten demografischen Themen weltweit. Fast alle Industrieländer – und zunehmend auch viele Schwellenländer – liegen deutlich unter der sogenannten „Bestandserhaltungsgrenze“ von 2,1 Kindern pro Frau. In Österreich liegt die Geburtenrate aktuell sogar nur noch bei etwa 1,3 Kindern pro Frau – ein historischer Tiefstand.
In der Menschheitsgeschichte haben sich noch nie Menschen in so großer Zahl entschieden, keine oder nur eine ganz kleine Familie zu haben. Das ist beispiellos.
Wenn weniger Kinder geboren werden und Menschen gleichzeitig länger leben, steigt der Anteil älterer Menschen stark an. Das führt dazu, dass immer weniger Erwerbstätige immer mehr Pensionistinnen und Pensionisten finanzieren müssen. Die Folgen sind steigende Kosten für Pensionen und Gesundheitssysteme, höhere Steuer- und Sozialabgaben und längere Lebensarbeitszeiten. Von dieser Entwicklung sind weltweit heute besonders Japan, Südkorea, China und viele europäische Staaten betroffen. Doch es wird noch ärger: die UNO erwartet, dass bis 2100 fast alle Länder der Welt unter der Bestandserhaltungsgrenze liegen werden.
Eine schrumpfende Bevölkerung bedeutet aber oft auch weniger Konsum, weniger Arbeitskräfte und geringeres Wirtschaftswachstum, sodass manche Ökonomen bereits von einer „demografischen Bremse“ für die Weltwirtschaft sprechen. Länder mit jüngerer Bevölkerung – etwa in Afrika oder Teilen Südasiens – könnten wirtschaftlich und politisch an Bedeutung gewinnen. Europa und Ostasien hingegen verlieren langfristig an Bevölkerungsanteil und damit möglicherweise auch an globalem Einfluss.
Europa gehört zu den Regionen mit den niedrigsten Geburtenraten weltweit.
In vielen EU-Staaten liegt die Rate unter 1,5 Kindern pro Frau. Eurostat rechnet langfristig mit einem deutlichen Rückgang der EU-Bevölkerung. Bis 2100 könnten rund 53 Millionen Menschen weniger in der EU leben. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Italien, Spanien, Osteuropa und die baltischen Länder. Diese Länder werden wohl stark von Landflucht und Entleerung ländlicher Regionen betroffen sein.
Viele Staaten versuchen dem durch höhere Familienbeihilfen, Ausbau von Kinderbetreuung, steuerliche Vorteile etc. gegenzusteuern. Studien aber zeigen, dass es sich nicht nur um diese Fragen dreht, sondern dass sich die Lebensentwürfe grundsätzlich verändert haben.
Österreich ist keine Ausnahme
Wir erleben derzeit einen besonders starken Rückgang der Geburtenzahlen. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau liegt aktuell bei etwas unter 1,30 – dem niedrigsten Wert seit Beginn der Statistik. Das hat natürlich gravierende Auswirkungen auf das österreichische Pensionssystem, das auf dem Generationenvertrag basiert, wonach die arbeitende Bevölkerung die Pensionen der Älteren finanziert. Außerdem gibt es Veränderungen in den Regionen. Ländliche Gebiete verlieren oft junge Menschen zuerst. Das führt zu Schulschließungen, weniger Nahversorgung, Abwanderung und Überalterung ganzer Gemeinden, während die großen Städte häufig weiterwachsen – vor allem durch Zuwanderung. Ohne Zuwanderung würde Österreichs Bevölkerung langfristig deutlich schrumpfen, was das Thema wieder politisch besonders sensibel macht.
Eines steht fest: Der Geburtenrückgang ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel. Weltweit verändert er Wirtschaft, Politik und soziale Systeme. Europa und besonders Österreich stehen vor der Herausforderung, alternde Gesellschaften finanzierbar zu halten und gleichzeitig lebenswerte Bedingungen für Familien zu schaffen. Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, wie mehr Kinder geboren werden könnten, sondern auch, wie Gesellschaften mit weniger und älteren Menschen funktionieren können.

IRE-FORUM: Stirbt Europas aus?
Der demographische Wandelals Herausforderung
Sonntag, 27. September 2026
14.30 Uhr, Salzburg Congress
MODERATION
HEIDI HUBER, Journalistin
KEYNOTE
Martin bujard, Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, Deutschland
PANEL
EVA BEAUJOUAN, Demographin, Direktorin Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital (tbc)
Martin Fieder, Anthropologe an der Universität Wien
Gudrun Kugler, Abgeordnete zum Nationalrat, Berichterstatterin der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, Österreich
Stephan Marik-Lebeck, Leiter "Demographie und Gesundheit" bei der STATISTIK Austria







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