Salzburg Europe Summit: EU-Erweiterung
Montenegro als Vorreiter - Panel diskutiert Reformfortschritte, wirtschaftliche Integration und neue Modelle der EU-Annäherung

V.l.n.r. Christoph Rath (Vienna Insurance Group), Maida Gorčević (EU-Ministerin von Montenegro), Nina Vujanović (Bruegel Brussels), Moderator Michael Martens (FAZ) und Kristof Bender (European Stability Initiative).
Die Erweiterung der Europäischen Union ist längst nicht mehr nur eine Frage institutioneller Reformen, sondern zu einem zentralen geopolitischen Thema geworden. Beim Salzburg Europe Summit 2026 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft unter dem Titel „Erweiterung als geopolitischer Erfolg Europas?“ über die Perspektiven des Westbalkans und die Glaubwürdigkeit des europäischen Erweiterungsversprechens.
>>> zum Video der Session "EU-Erweiterung - eine geopolitische Notwendigkeit?"
EU-Erweiterung als geopolitische Notwendigkeit und Glaubwürdigkeitsfrage
In einem Videostatement betonte Europaministerin Claudia Bauer, dass Europas Zukunft ohne Erweiterung kaum denkbar sei. Der russische Angriffskrieg habe die geopolitische Bedeutung des Prozesses nochmals verdeutlicht. Wo die Europäische Union nicht glaubwürdig auftrete, könnten andere Akteure entstehende Lücken füllen. Staaten, die die vereinbarten Voraussetzungen erfüllten, müssten daher auch konkrete Fortschritte im Beitrittsprozess sehen.

Montenegros Europaministerin Maida Gorčević unterstrich, dass ihr Land keine Abkürzungen und keine niedrigeren Standards verlange. Montenegro habe alle 33 Verhandlungskapitel eröffnet und die große Mehrheit abgeschlossen. Entscheidend sei, dass ein leistungsbezogener Erweiterungsprozess tatsächlich Ergebnisse bringe. Ein erfolgreicher Beitritt Montenegros könne auch anderen Westbalkanstaaten zeigen, dass Reformen belohnt würden und die Türen der Europäischen Union für jene offenblieben, die die Bedingungen erfüllten.

Die Ökonomin und
Bruegel Research Fellow Nina Vujanović
verwies auf die wirtschaftlichen Vorteile einer stärkeren Integration. Der Abbau von Zöllen allein reiche nicht aus; insbesondere nichttarifäre Handelshemmnisse stellten für kleinere Unternehmen weiterhin erhebliche Hürden dar. Zugleich müssten die Staaten des Westbalkans stärker vermitteln, welchen Beitrag sie selbst zur EU leisten könnten, etwa im Energie- und Infrastrukturbereich.

Aus Sicht der Wirtschaft betonte Christoph Rath, Vorstand der Vienna Insurance Group
mit Zuständigkeit für den Westbalkan, die Attraktivität der Region für Investitionen. Gleichzeitig dürfe die positive Haltung zur Europäischen Union nicht durch immer neue politische Blockaden beschädigt werden. Ein erfolgreicher Beitritt Montenegros könne deshalb weit über das Land hinaus Signalwirkung entfalten.

Kristof Bender, stellvertretender Vorsitzender der European Stability Initiative, plädierte ergänzend für stärker abgestufte Formen der Integration. Eine frühere Einbindung in Teile des Binnenmarktes könne Kandidaten bereits vor einer Vollmitgliedschaft konkrete Vorteile bringen und den Zusammenhang zwischen Reformen und politischer Belohnung sichtbarer machen.
Im Zentrum der Diskussion stand damit letztlich die Glaubwürdigkeit des europäischen Erweiterungsprozesses: Geopolitische Dringlichkeit könne Reformkriterien nicht ersetzen, ein meritokratisches Verfahren verliere aber ebenso an Wirkung, wenn erfüllte Bedingungen nicht zu nachvollziehbaren Fortschritten führten.
>>> zum Video der Session "EU-Erweiterung als geopolitische Notwendigkeit"
Hot Issue - der Newsletter
Regelmäßige Informationen aus den Regionen Europas und von unseren Mitgliedern.
Regelmäßig informieren wir unsere Mitglieder sowie Interessierte über tagesaktuelle Themen und Entwicklungen in den Regionen Europas, den Institutionen der Europäischen Union und über die Aktivitäten des Instituts der Regionen Europas (IRE).
Melden Sie sich bei unserem Newsletter gerne jederzeit an
stefan.haboeck@institut-ire.eu
Tel: +43-662-843 288-30










