Entwurf zu neuer EU-Regionalpolitik als Gefahr für kleine Regionen

18. März 2026

Entwurf zu neuer EU-Regionalpolitik als Gefahr für kleine Regionen

Die für den EU-Finanzrahmen 2028 bis 2034 geplanten Änderungen würden für kleine Regionen große finanzielle Nachteile und eine Gefährdung vieler guter Projekte bedeuten.

 

Salzburg. Die in der Diskussion um den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU für die Finanzperiode 2028 bis 2034 geplanten Änderungen würden vor allem für kleine Regionen, wie etwa den Salzburger Bezirk Lungau große finanzielle Nachteile und eine Gefährdung vieler guter Projekte bedeuten, erklärte die Geschäftsführerin der LEADER Biosphäre Lungau, Petra Lüftenegger, in einem Gespräch mit IRE-Vorsitzendem Franz Schausberger am 16. 3. 2026.

 

Nach den Vorstellungen der Europäischen Kommission soll es zu einer „Nationalisierung“ der Kohäsionspolitik und zu einer Bündelung verschiedener Fonds kommen. Das würde bedeuten, dass die Entscheidungen über die Förderzuwendungen in Zukunft über die nationalen Regierungen an die Regionen erfolgen soll, was zu einer institutionellen Entscheidungsverschiebung von den Regionen zu den nationalen Regierungen und der EU-Kommission führen würde.

 

Wie Petra Lüftenegger betonte, würden derzeit für Projekte im Lungau 62 Prozent der finanziellen Mittel aus dem LEADER-Programm der EU kommen, 19 Prozent vom Bund und 19 Prozent vom Land. Nachdem in Hinkunft LEADER und EU-Landwirtschaftsmittel zusammengelegt würden, sei zu befürchten, dass etwa in einer kleinen, geschlossenen Region wie dem Lungau nur mehr 40 Prozent aus dem LEADER-Programm kommen würden und die restlichen 60 Prozent von Bund und Land aufzubringen seien, was nicht realistisch ist. Damit würden die finanziellen Mittel drastisch gekürzt, was für den Lungau fatal wäre. Derzeit werden aus den LEADER-Mitteln Projekte wie die Lungauer Vermarktungsgenossenschaft (mit 100 landwirtschaftlichen Mitgliedern), das Lungauer Kochwerk, Jugend-, Nachhaltigkeits-, Kultur und Tourismusprojekte finanziert.

 

Es bestehe die Gefahr, dass sich kleine Regionen auf Grund ihrer geringen personellen Ressourcen gegenüber großen Regionen mit ihren Projekten nicht durchsetzen können.

 

Eine Allianz von rund 80 europäischen Regionen einschließlich aller österreichischen Bundesländer haben gegen die Pläne der EU-Kommission protestiert, der Europäische Ausschuss der Regionen hat mehrere Resolutionen gegen das Vorhaben verabschiedet. Auch die österreichische Bundesregierung lehnt eine Re-Zentralisierung der Kohäsionspolitik ab und fordert, dass auch nach 2028 die Regionen weiterhin direkt an Planung und Umsetzung beteiligt sind. Österreich bekommt relativ wenig Kohäsionsmittel, weil es ein wohlhabendes Land ist, allerdings profitieren einige Regionen stark, etwa Grenzregionen oder ländliche, alpine Räume.

 

Franz Schausberger versicherte, dass auch das Institut der Regionen Europas (IRE) nachdrücklich gegen eine solche „Entmachtung der Regionen“ und gegen den Bruch des Partnerschaftsprinzips auftreten werde. Er habe erst vor einer Woche in Brüssel in einem Gespräch mit der neuen Präsidentin des Ausschusses der Regionen, Kata Tüttő, sozialdemokratische Vizebürgermeisterin von Budapest, über die Gefahren einer solchen Neuregelung gesprochen und vor der damit verbundenen Konkurrenzierung der ländlichen Räume, Städte und Landwirtschaft gegeneinander gewarnt. Außerdem würde dadurch die Kontrolle durch die regionalen Parlamente wesentlich reduziert. Tüttő bekräftigte ihre volle Übereinstimmung mit dieser Position.

 

 

Bildunterschrift: 

Petra Lüftenegger, Geschäftsführerin der LEADER Biosphäre Lungau, Franz Schausberger, IRE-Vorsitzender

 © Foto: IRE

 

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Bei einem Treffen mit Stefan Haböck, Ukraine-Experte und Policy Advisor am Institut der Regionen Europas (IRE), tauschte sich eine ukrainische Delegation über grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Regionen, sowie die Fortschritte bei der Dezentralisierungsreform aus. Wien. Ende Jänner traf IRE-Policy Advisor Stefan Haböck eine Delegation aus der Ukraine, bestehend aus Vertreterinnen und Vertreter von Regionalverwaltungen, Universitäten, Europa-Regionen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, zu einem Arbeitsgespräch in Wien. Die 2014 gestartete Dezentralisierungsreform gilt als ein großer Erfolg und gab den lokalen Selbstverwaltungsgemeinden (Hromadas) mehr Macht. Die stärkere regionale Entwicklung und Demokratie war auch entscheidend für die Resilienz in den Regionen zu Beginn der vollen Invasion Russlands in die Ukraine im Jahr 2022. Der Krieg gegen die Ukraine hat die Dezentralisierung auch verlangsamt, sind doch viele Regionen (Oblaste) und lokale Selbstverwaltungsgemeinden (Hromadas) nun als Militärverwaltung (wenn auch unter ziviler Führung) eingestuft. Doch weiterhin besteht das Ziel, die Gemeinden und Regionen in der Ukraine weiter zu stärken. In den vergangenen Jahren habe sich mehrere ukrainische Regionen (Oblaste) auch zu Europa-Regionen zusammengeschlossen, um für den intensivierten internationalen Austausch ihre Stärken zu bündeln. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Regionen in der EU dient dabei dem best-practice Austausch zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Foto (v.l.n.r.): Stefan Haböck ( IRE ), Vasyl Poluyko ( Direktor Westukrainisches Ressourcenzentrum ), Oksana Bohutska ( Internationale Beziehungen der Regionalverwaltung Oblast Czernowitz ), Tetjana Schawlowska ( Direktorin des Regionalen Entwicklungszentrums der Geisteswissenschaftlichen Universität, Ismajil ), Prof. Myroslava Mylenka (Professorin für Ökologie an der Karpaten-Nationaluniversität, Iwano-Frankiwsk ) und Prof. Ihor Kaspuk ( Vizerektor für Internationale Zusammenarbeit der Universität für Wirtschaft und Recht, Lemberg ).
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