30 Jahre Österreich in der EU – eine Erfolgsgeschichte?

18. November 2025

30 Jahre Österreich in der EU – eine Erfolgsgeschichte?

Das Institut der Regionen Europas (IRE) lud am 12. November 2025 nach Linz zu einer Fachkonferenz in die Wirtschaftskammer Oberösterreich. Unter dem Motto „Regionale Wirtschaft im globalen Wettbewerb“ wurden anlässlich von 30 Jahren österreichischer EU-Mitgliedschaft Erfahrungen, Chancen und Herausforderungen diskutiert. Vertreter aus Politik, Wirtschaft sowie regionaler und lokaler Ebene beleuchteten aus unterschiedlichen Perspektiven die Rolle und Zukunft der Regionen und regionalen Wirtschaft im europäischen Kontext.



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Starke Regionen als Erfolgsfaktor

In seinen einleitenden Worten erinnerte IRE-Vorsitzender Franz Schausberger daran, wie prägend die drei Jahrzehnte EU-Mitgliedschaft für Österreich gewesen seien. Ohne grenzüberschreitende Zusammenarbeit könne es keine nachhaltige Entwicklung geben, so Schausberger. Besonders Österreich profitiere von der Stärke seiner Regionen und den vielen kleinen und mittelständischen Betrieben, die das Rückgrat der heimischen Wirtschaft bilden. Aufgabe der Politik sei es, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen und Unternehmergeist nicht zu hemmen.

Auch Lisa Sigl, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer OÖ, betonte die Bedeutung eines starken europäischen Wirtschaftsraumes. Der EU-Beitritt sei damals ein mutiger, aber richtiger Schritt gewesen. Familienbetriebe seien die Basis der oberösterreichischen Wirtschaft – und diese stünden aktuell unter Druck: Ein Drittel der Unternehmen schränke Investitionen ein. Das bremse die gesamte Wirtschaft. Sigl unterstrich zugleich Europas große Stärken: Stabilität, Verlässlichkeit und Qualität. Für die kommenden Jahrzehnte brauche es Mut, Wissen und Zusammenarbeit.

Panel: 30 Jahre Österreich in der EU – eine Erfolgsgeschichte?

Den Auftakt zur Fachkonferenz machte eine Paneldiskusson zum Thema „30 Jahre Österreich in der EU – eine Erfolgsgeschichte?“ mit Wolfgang Eder, Aufsichtsratsvorsitzender der voestalpine AG, Christian Wigand, dem stellvertretenden Leiter der Vertretung der EU-Kommission in Wien, Landtagsabgeordnetem Georg Ecker und Bürgermeister Robert Wimmer, moderiert von Stefan Haböck (IRE). Die Impulsrede hielt der oberösterreichische Wirtschafts- und Europalandesrat Markus Achleitner.

Achleitner stellte gleich zu Beginn klar: „Profitiert Oberösterreich von der EU? Ja – mit 30 Rufzeichen.“
Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte belege dies eindrucksvoll. Oberösterreich habe einen jährlichen Exportzuwachs von rund sieben Prozent, die Zahl der Beschäftigten sei seit 1995 von 475.000 auf knapp 700.000 gestiegen. Die EU habe zu Wohlstand, sozialer Sicherheit und stabiler Einkommensverteilung beigetragen. Darüber hinaus betonte Achleitner Europas friedensstiftende Rolle. 2025 sei ein Jahr großer Jubiläen: 80 Jahre Frieden, 70 Jahre Freiheit und 30 Jahre EU-Mitgliedschaft. Europa sei das größte Friedensprojekt unseres Kontinents – und in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten sei die Stärkung europäischer Resilienz und digitaler Souveränität zentral.

Wolfgang Eder: Verantwortung, Selbstbewusstsein und Integration
Der frühere voestalpine-CEO Wolfgang Eder, der von einer Euphorie zu Zeiten des EU-Beitritts erzählte, hob hervor, dass Europas Vielfalt oft auch eine Herausforderung für Integration sei – schließlich hätten viele Staaten Jahrtausende alte Identitäten. Ein konsequenter Integrationsprozess brauche Zeit, müsse aber dafür zielorientiert verfolgt werden.

Kritisch äußerte er sich zur wachsenden Erwartung, dass die Wirtschaft global für die Einhaltung von Menschenrechten sorgen solle. Dies sei eigentlich eine politische Aufgabe. Gleichzeitig warnte er davor, Europa zu unterschätzen: Wir hätten ohne Grund zu viel Respekt vor den USA und China. Wir unterschätzen uns, wir unterschätzen die Kompetenz der Menschen. Die Amerikaner verkaufen sich auch besser, daher fühlen Europäer sich als Underdogs. Das Gegenteil ist der Fall. In vielen europäischen Regionen gebe es enorme unternehmerische Kompetenz – auch im KI-Bereich.

Zur EU-Erweiterung sagte Eder, der Westbalkan sei geopolitisch heikler Boden; eine Erweiterung müsse strategisch sinnvoll erfolgen. Europa müsse selbstbewusst agieren und seine Verteidigungsfähigkeit stärken.

Robert Wimmer: Gemeinden als Fundament der EU
Bürgermeister Robert Wimmer betonte, dass die EU-Mitgliedschaft für viele Gemeinden eine echte Erfolgsgeschichte sei. Kommunen würden Strukturen schaffen, die Unternehmen anziehen und Lebensqualität sichern. Grenzüberschreitende Kooperation – etwa über die Euregio oder gemeinsame Rettungshubschrauber – sei für die alltägliche Versorgung der Bevölkerung essenziell. Der EU-Beitritt ist für uns Gemeinden eine Erfolgsgeschichte.

Georg Ecker: Vom Rand ins Zentrum Europas
Landtagsabgeordneter Georg Ecker gab einen regionalen Blick: Vor 30 Jahren habe der Norden Oberösterreichs am Rand Europas gelegen – heute liege sein Heimatbezirk Rohrbach „mitten drin“. Der frühere „tote Grenzstreifen“ zu Tschechien sei heute ein lebendiger Raum gemeinsamer Projekte. Frühere Entwicklungen wie Pendlerströme hätten sich umgekehrt: Heute kämen Deutsche nach Oberösterreich zum Arbeiten.

Christian Wigand: EU greifbar machen
Christian Wigand von der Europäischen Kommission betonte die wirtschaftlichen Vorteile der Mitgliedschaft: Seit 1995 sei die österreichische Wirtschaft um 60 Prozent gewachsen. Eine WIFO-Studie rechne vor, dass die EU-Mitgliedschaft jeden Österreicher rund einen Kaffee am Tag koste, aber 300 Euro monatlichen Nutzen bringe. Trotzdem sei die Zustimmung nicht so hoch, wie sie sein könnte – daher müsse man die positiven Aspekte stärker kommunizieren. Wigand zeigte sich optimistisch über künftige EU-Erweiterungen: Montenegro ab 2028 sei realistisch.

Geopolitik und europäische Sicherheit
Im späteren Verlauf rückte die Frage der europäischen Sicherheit stärker in den Fokus.
Die Diskutanten betonte die Notwendigkeit, Europa politisch, emotional und militärisch besser und unabhängiger zu verteidigen. 

Grenzregionen als Motor der Zusammenarbeit

Einig waren sich alle Panelisten: Grenzregionen spielen eine Schlüsselrolle für europäische Integration. Ob Bayern–Oberösterreich, Mühlviertel–Südböhmen oder EU–Westbalkan: Zusammenarbeit stärke Wirtschaft, Gemeinden und sozialen Zusammenhalt. 

Betont wurde aber auch: „Es geht immer um die Menschen in der Region.“

Als Fazit der ersten Session blieb klar: Österreichs EU-Mitgliedschaft ist eine Erfolgsgeschichte – wirtschaftlich, gesellschaftlich und geopolitisch.
Damit die Erfolgsgeschichte EU weitergeschrieben werden kann, braucht es Engagement, Selbstbewusstsein und eine permanente Weiterentwicklung der europäischen Strukturen. Regionen, Gemeinden und Unternehmen stehen dabei im Zentrum.

In einer Welt zunehmender Unsicherheiten wurden vor allem zwei Botschaften deutlich:
  1. Europa bleibt das größte Friedens- und Wirtschaftsprojekt unseres Kontinents.
  2. Die Zukunft der EU entscheidet sich in den Regionen – durch Zusammenarbeit, Innovation und Mut.

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